In diesem Beitrag zeige ich dir, warum viele Lernende die Lust am Lernen verloren haben – und wie du sie Schritt für Schritt wieder zur Lernfreude begleiten kannst.
Dass Freude am Lernen den Lernerfolg verbessert, ist längst kein Geheimnis mehr. Wer Spass am Lernen hat, der verarbeitet und speichert neues Wissen leichter, denn was man gerne macht, das macht man in der Regel auch gut. Lernfreude ist also der Grundstein für echte Leistung. Doch wie schaffst du es, dass deine Lernenden den Spass am Lernen (wieder)entdecken?
Von Natur aus lernfreudig
Menschen sind von Natur aus neugierig. Wir entdecken ständig Neues – oft sogar unbewusst – und lernen aus Interesse und innerem Antrieb. Durch die Beobachtung unserer Umwelt erkennen wir, welche Fähigkeiten wir bereits besitzen und in welchen Bereichen wir uns noch weiterentwickeln möchten. Feedback hilft uns, uns realistisch einzuschätzen und dranzubleiben, ohne in krankhaften Ehrgeiz zu verfallen. Warum also verlieren so viele Kinder, Jugendliche und Lernende diese natürliche Freude am Lernen?
Leistungsdruck als Lernkiller
Leider steht in der Schule oft die Bewertung im Mittelpunkt. Alles Mögliche – von Kunstgeschmack über Muttertagsgeschenke bis hin zur Anzahl der Liegestütze – wird benotet. Irgendwann lernen wir nur noch für Noten. Dann stellt sich nicht mehr die Frage, wie wir unseren Erfahrungsschatz und unsere Kompetenzen erweitern können, sondern wie wir mit möglichst wenig Aufwand eine bestimmte Note erreichen können.
Zu Beginn eines ÜKs (überbetrieblicher Kurs) fragte ich eine Klasse, welche Erwartungen und Befürchtungen die Teilnehmenden hätten. Es überwogen nicht nur die Befürchtungen. Mich entsetzte die folgende Aussage: "Wir haben Angst vor neuen Themen, weil dann wieder eine Prüfung kommt, bei der wir versagen können."
Prüfungen komplett abzuschaffen, ist keine Lösung. Es gibt jedoch Wege, wie du trotz Druck wieder Begeisterung fürs Lernen wecken kannst.
Tipps für mehr Freude am Lernen
Tipp 1: Fortschritt sichtbar machen
Oft bleiben Lernfortschritte im Verborgenen. Mach sie gemeinsam mit deinen Lernenden sichtbar!
- Lerndokumentationen müssen nicht trocken und mühsam sein – sie können ermutigen und motivieren. Überlege gemeinsam mit deinen Lernenden, welche Form und Inhalte für alle Beteiligten sinnvoll sind und Begeisterung auslösen.
- Formuliere Meilensteine, deren Erreichen den Lernenden den Zugang zu einem "neuen Level" ermöglicht. Wer diesen Ausbildungsstand erreicht, erhält mehr Verantwortung, mehr Mitspracherecht, spannendere Aufgaben, mehr Berechtigungen, neue Freiheiten ...
- Frage regelmässig: "Was hast du heute gelernt?" – und feiert gemeinsam auch kleine Erfolge.
Mitfreuen wirkt stärker als jedes Lob. Es gibt Kraft – und Lust auf mehr.
Tipp 2: Es muss nicht alles bewertet werden
Du musst nicht alles benoten. Nicht jeder Fehler muss im Bildungsbericht erwähnt werden. Manchmal reicht ein Lächeln oder ein Augenzwinkern, und es kann weitergehen.
Ein entspannter Umgang mit Fehlern schafft Vertrauen und ermutigt dazu, Dinge auszuprobieren.
Tipp 3: Sinn vermitteln
Jugendliche fragen sich ständig: „Wozu soll ich das lernen?” Beantworte diese Frage, bevor sie überhaupt gestellt wird. Zeige, welchen persönlichen Nutzen die Inhalte haben und was sie mit dem echten Leben zu tun haben.
Tipp 4: Begeisterung steckt an
Dein Berufsstolz und deine Begeisterung sind ansteckend. Wenn du für ein Thema brennst, spüren das deine Lernenden und lassen sich mitreissen.
Deine Leidenschaft zeigt ihnen unter anderem auch, dass Lernen nie endet – auch nicht bei dir. Dadurch wirst du für sie nahbar und glaubwürdig.
Und zum Schluss noch dies
Nach vielen Versuchen der Schulen Praxisnähe zu erzeugen, erleben Lernende bei dir echte Praxis. Nutze diese Chance für echte Veränderung.
Gerne helfe ich dir beim Formulieren von Aufgaben, Reflexionsfragen oder Methoden für deine Praxis.